Hören & Zuhören

Der Blog von zuhoeren dreht sich um alles, was mit Hören zu tun hat. Musik, Geräusche, Meinungen, Töne, Positionen ... Nur selten um Werbung und Marketing. Die andere Seite von zuhoeren und ganz im Sinne von Immanuel Kant:

„Nichtsehen trennt den Menschen von den Dingen,
Nichthören trennt den Menschen vom Menschen.“



Samstag, 25. Juni 2011

Lichtfeldkameras: Technik, die begeistert

Heute mal nicht zuhören, sondern zusehen. Lichtfeldkameras sind eine kleine Sensation - Fokussieren im Nachhinein, also nach der Aufnahme, ist möglich. Was das heißt? Nun, was im Vordergrund unscharf ist, kann mit der neuen Technik scharf gestellt werden, während der Hintergrund unscharf wird.

Musste man früher (oder zur Zeit noch) etwas fotografisches Können für diesen Effekt bei der Aufnahme aufwenden, kann man dies nun nach der Aufnahme direkt an der Kamera (oder am PC) machen und so dem Bild ganz neue Qualitäten "geben" oder versteckte Dinge entdecken.

Hinter dieser "Zauberei" steckt ein startup aus Kalifornien, ein französischer Physiker und ein deutsches Unternehmen. Das startup heißt Lytro, der Physiker Gabriel Lippmann und das Unternehmen Raytrix, Pionier in Sachen "integraler Fotografie".

Raytrix wendet das Prinzip bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten im Bereich der professionellen Bilderkennung, in der Medizintechnik und 3D-Fotografie an. Lytro möchte diese Technik nun massentauglich machen.

Hier ein paar spannende Bildbeispiele, die zeigen, wie es geht!

Montag, 13. Juni 2011

McMorrow, Jewell, Kalkbrenner - Leidenschaft für Musik

Ein Ire, eine Amerikanerin und ein Berliner - was sie verbindet ist Leidenschaft für Musik. James Vincent McMorrow zog sich für ein halbes Jahr in ein Haus an der irischen Küste zurück und spielte dort sein Debütalbum "Early in the Morning" ein. Nur er und seine Instrumente, in einem Zimmer. Ähnlich wie Thomas Mann (nur etwas später am Tag und in einem anderen Metier) erarbeitete er sich jeden Song, jedes Stück. Harte Arbeit - und ein gutes Ergebnis. Der Singer Songwriter mit seiner zerbrechlichen Stimme und seinen poetischen Texten eröffnet uns eine eigene Klangwelt. Wie sagte er im Rolling Stone:
"Ich bin täglich um elf Uhr aufgestanden und habe dann von zwölf Uhr mittags bis ca. drei oder vier Uhr morgens durchgearbeitet. Ich hatte meine gesamtes Equipment im eigentlichen Wohnzimmer verteilt, bin von Instrument zu Instrument gezogen und habe auf diese Weise meine Songs Spur für Spur aufgebaut. Mit der Zeit wurden die Tage länger und länger, bis ich am Ende zum Sonnenuntergang ebenso bei der Arbeit saß wie beim Sonnenaufgang. Deshalb auch der Name: 'Early In The Morning'. Alle Songs wurden in den Morgenstunden beendet."
Kleine Perlen sind auch die Lieder von Eilen Jewell (*1979). Der Name als Programm. Folk, Country und Pop, packende Lieder, die ihre Wurzeln eindeutig in der Heimat der amerikanischen Sängerin haben. Sie begann als Straßenmusikerin, spielte auf Wochenmärkten und in Kneipen. Mit dem Umzug nach Los Angeles stieg sie auf zum Geheimtipp der Szene, zog sich dann aber wieder zurück in die Berkshire Mountains, um Abstand vom Leben der Westküstenmetropole zu bekommen. Das neue Album "Queen of minor Key" versammelt wieder 14 Songs, geschrieben in der Zurückgezogenheit einer winzigen Hütte in den Bergen von Idaho. Lieder für´s Zuhören, Nachdenken und Träumen - ohne Ablenkung, bei sich und für sich. Hier kann man reinhören. Eilen Jewell ist auch eine Empfehlung von Bongartz, unserem sehr gut bestückten, ausgewählten Musikladen in der Hauptstraße in Erlangen.

Nicht zurückgezogen, sondern weltoffen zeigt sich Paul Kalkbrenner (*1977). Berlin Calling machte ihn einem größeren Publikum bekannt. Dort tritt er als DJ unter dem Pseudonym Ickarus auf. Der Soundtrack zum Film und die Single "Sky and Sand" (mit der Stimme seines Bruders) markieren seinen Durchbruch. Er gibt der Technomusik wieder frisches Blut und viele neue Anhänger quer durch alle Schichten und Altersgruppen. Das Besondere dabei: Paul Kalkbrenner ist ein Live-Act. Die Welt schreibt:
"Stücke, die wie Herzen pumpen
Auf der Bühne spielt er virtuos das Mischpult, und es ist ein großer Spaß, ihm dabei auf den Videowänden zuzusehen und zu hören, was dabei heraus kommt. Schwungvoll dreht Kalkbrenner an den Knöpfen, wie ein Dirigent beherrscht er seine Regler."
Mit Paul Kalkbrenner wird deutscher Techno ein globales Ereignis - er jettet um die Welt und spielt seine Musik. Mit Leidenschaft und einer puren Freude am Sound. Das zeigt auch seine neue Scheibe "Icke wieder". Ein wunderbarer Hör- und Tanzspaß.

Sonntag, 22. Mai 2011

Es gibt sie noch, die guten Dienstleister

Während die großen Unternehmen große Programme entwickeln, Leitbilder entwerfen und Schulungen für alle Ebenen verschreiben, um ihre Kunden für sich zu begeistern, machen es die Kleinen mit Persönlichkeit, Überzeugung und Freude an der Arbeit. Der Fensterputzer, der mit Fahrrad und Hänger durch Erlangen und Umgebung fährt und seine Qualitäten an den Mann bringt, der Schlüsselmann, der wirklich alle Schlüssel nachmachen kann und mit Kreativität überzeugt oder der Schuhreparatur-Service, dessen freundliche Mitarbeiterin Schuhe und Job noch wirklich liebt und das auch rüberbringt. Oder der Druckpatronen-Service, der alte Drucker wieder zum Laufen bringt, mit Know-how, Tüftelei und einer Leidenschaft, die manch kleine Unternehmen auszeichnet. Sie alle brauchen keine Programme, sie denken mit, weil sie eine Mission im Herzen tragen, weil sie das tun, was sie schon immer tun wollten und weil sie leben, was sie tun. In Erlangen gibt es noch einige von ihnen. Sie zu entdecken lohnt sich. Sie zeigen, was man anders machen muss, um Kunden zu begeistern. Zuhören, verstehen, beraten. Die Großen können von ihnen lernen - und dürfen hier durchaus mal abschreiben. Und keiner wird es ihnen ankreiden. Viel Erfolg.

Sonntag, 1. Mai 2011

Foer nimmt Auszeit

Safran Foer (*1977), US-amerikanischer Erfolgsautor (Alles ist erleuchtet, Extrem laut und unglaublich nah), geht einen mutigen Schritt - er trennt sich von seinem Blackberry! Smartphone adé. Warum? Seine Antwort: "Weil ich ihn ständig benutze, weil ich mich nicht selbst reglementieren kann." (Quelle, ZDF-Text, 805). Er führt aber noch einen weiteren Aspekt an: "Stellen Sie sich vor, wir blicken am Ende unseres Lebens zurück und fragen uns, wie viel Zeit wir mit überflüssigen Dingen verbracht haben." (Bild: Jonathan Safran Foer by David Shankbone)

Ist sein Schritt - den auch einige andere schon gegangen sind - der Anfang einer Erosion? Weg von der Verfügbarkeit? Immer und überall erreichbar zu sein? Alles jedem mitteilen zu müssen? Unter dem Deckmantel Web 2.0 häufen wir so viel Information auf, wie schon lange nicht mehr. Die Menge ist keine Freiheit, sondern Unfreiheit. Wir gehen unter mit Facebook & Co und vermuten selbstbestimmt zu agieren.

Aufschlussreich in diesem Zusammenhang das Buch "Die Facebook-Falle". Sascha Adamek nimmt sich des Themas umfassend an - und allein das schon macht das Buch lesenswert. Er sensibilisiert, zeigt, welche Auwirkungen Facebook auf unser Leben hat, wer dahinter steht, wie andere davon profitieren.

Aufschlussreich auch das Interview von Reinhard Jellen auf Telepolis http://www.heise.de/tp/artikel/34/34322/1.html

Montag, 4. April 2011

Wir brauchen Ärzte, die zuhören

Das zumindest schreibt die "Märkische Allgemeine" in ihrem Bericht über die Tagung der ästhetisch-plastischen Chirurgen in Potsdam. Aber "Zuhören" kostet Geld, Betreuung und eine intensive Behandlung ebenso. Das Bestmögliche für die Patienten zu tun ist Wunsch und Aufgabe aller Ärzte - nur leider schiebt da das Gesundheitssystem einen Riegel vor. Der Riegel heißt seit 1.1.2009 u.a. RLV - Regelleistungsvolumen, auch Budget gennant. Der Arzt bekommt für seinen Patienten pro Quartal ein Budget - für alle Behandlungen, Medikamente, Gespräche etc. Sobald der Patient die Arztpraxis betritt, kann der Arzt einen Pauschalbetrag, den sogenannten Fallwert, abrechnen. Für hessische Hausärzte etwa beträgt er ca 38 Euro - egal ob ein Patient mit unklaren Herzschmerzen kommt, die aufwändig untersucht werden müssen oder ob er nur ein Hustensaftrezept abholen will. Was passieren kann, wenn der Arzt bestmöglich behandeln will, aber sein Budget schon ausgereizt hat, zeigte gestern Abend auf drastische Weise der Tatort im Ersten. "Edel sei der Mensch und gesund" - denn nur dann geht alles gut. Ist der Mensch schwer krank, wird es für den Arzt als auch den Patienten eng. Und als verblüffter Bürger und Kassenpatient fragt man sich, wo bleiben die vielen Millionen an Beiträgen? In den Verwaltungen, in den Krankenhäusern, im System? Nun, den Portugiesen geht es noch schlechter: Wartezeiten auf eine Facharztbehandlungen von einem halben Jahr und länger sind keine Seltenheit, übervolle Praxen - wenn es denn Praxen gibt - die Regel für den "Kassenpatienten". Und "Zuhören" ist auch dort nicht im Fokus, Minimalversorgung das Credo. Was bleibt ist die Erkenntnis: Lieber gesund bleiben und sich mit Ärzten privat unterhalten, denn dann kann man sich gegenseitig viel besser zuhören.

Sonntag, 6. März 2011

James Blake - schon von ihm gehört?

Sicher kennen Sie "Limit to your love". Ein Lied aus der ersten CD des Londoner Dubstep-DJ (was auch immer das ist, ich habe es in der FR  nachgelesen und im Bongartz, unserem kleinen und feinen Musikladen in der Hauptstraße erfragt: "Dubstep weiß etwas über die Stille. Diese elektronische Clubmusik tauchte vor etwa fünf Jahren im rauen Süden Londons auf. Ihre ultratiefen Bässe bringen selbst da Haare zum Flattern, wo man keine mehr vermutet hat – sei es aus Altersgründen oder wegen der Trendrasur. Die Echoeffekte donnern aus leistungsstarken Lautsprechern, die oft zerhackten Beats zerteilen den Raum. Still und leise klingt das alles erst einmal nicht. Doch die betont räumliche Dimension des Dubstep lässt immer wieder Lücken zu. Langsamkeit. Manchmal sogar Pausen.") Bongartz meinte, auf den ersten Hören sei die Musik unfertig und er hätte sich gewünscht, dass die Produzenten das gute Stück noch etwas liegen gelassen hätten. Seine Mitarbeiter allerdings finden genau das gut. Und was sagt das eigene Gehör? Ungewöhnlich, gut, anders und eine Stimme, die unglaublich ist. Sie erinnert mich an Antony and the Johnsons. Auch er berührt mit seiner Stimme ganz tief, ist allerdings in seinen Texten deutlich melodramatischer, verzwickter und komplexer. James Blake ist da eher kryptisch unterwegs (manchmal einzeilig, was nicht schlecht ist). Es darf gedeutet werden:
Unluck
Treated walls
care for me
When crossings
call out one of three

Only child take good care
I wouldn´t like you
playing, falling there
Spannend und mitnehmend sein Song und das Video "Limit to your love". Es zeigt einen 22-jährigen, dem man auf den ersten Blick die Erfahrungen, die in diesem Lied, in seiner Stimme mitschwingen, abspricht. Doch das ist kein Gradmesser für die Musik - auch virtuelle Erfahrungen lassen leiden und finden ihren Ausdruck in eben dieser Komposition. Eindrucksvoll der Mut zur Lücke. Weniger ist mehr. Das lässt die Chance zur eigenen Interpretation, zum eigenen Gefühl. Darin liegt die Stärke. Die Stücke sind nicht fertig und geben dem Hörer etwas zurück, was die synthetischen oder brachialen Zeitgenossen uns genommen haben: den Raum zum Fühlen und Denken. James Blake ist somit eine Einladung zum eigenen Ich. Freuen Sie sich darauf.

Samstag, 15. Januar 2011

MUTWERK und HörensWert

Zivilcourage im Theater? Einen sehr authentischen Ansatz wählt das Theater Erlangen mit MUTWERK. Ein Theaterprojekt über Erlanger BürgerInnen, für die Zivilcourage kein Fremdwort ist.

Ihre Geschichten sind die Blaupause für das Stück, Opfer als auch Täter kommen zu Wort, ebenso Menschen, die den Mut hatten, sich für andere einzusetzen. Am 21. Januar ist Premiere, bis dahin können sich Bürgerinnen und Bürger noch aktiv beteiligen und ihren ganz persönlichen Fragebogen ausfüllen.

MUTWERK ist eine Kooperation mit der Evangelisch-reformierten Kirche am Hugenottenplatz in Erlangen, der Polizei Erlangen, dem Förderverein Theater Erlangen, dem Seniorenbeirat und dem Praxisseminar Dramaturgie (Institut für Theaterwissenschaft der Universität Erlangen). Unterstützt wird das Projekt vom Zonta Club of Erlangen, Member of Zonta International.

Einstehen für den Anderen, engagiert eingreifen - das ist die eine Seite. Damit es aber gar nicht so weit kommt, entwickelte die Stiftung Zuhören gemeinsam mit der Akademie Kinder philosophieren das Projekt HörensWert. Unter der Überschrift "Wie klingt Toleranz?" riefen sie einen Hörclub zur Wertebildung ins Leben. Er soll Kinder dabei unterstützen, Werte zu erfahren, zu erkennen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Dahinter steht die einfache wie auch überzeugende Idee, dass die Förderung des Zuhörens als Haltung, die Achtung und Empathie für das Gegenüber ausdrückt , eine - vielleicht die wichtigste - Voraussetzung für den Austausch über Werte ist. MUTWERK und HörensWert - zwei Einladungen zum Mitmachen und Nachmachen.