Hören & Zuhören

Der Blog von zuhoeren dreht sich um alles, was mit Hören zu tun hat. Musik, Geräusche, Meinungen, Töne, Positionen ... Nur selten um Werbung und Marketing. Die andere Seite von zuhoeren und ganz im Sinne von Immanuel Kant:

„Nichtsehen trennt den Menschen von den Dingen,
Nichthören trennt den Menschen vom Menschen.“



Dienstag, 21. August 2012

Es ist heiß - deswegen Eis

Mitte August starteten wir unseren Spaghetti-Eis-Contest. Um was geht es? Wir suchen das beste Spaghetti-Eis. Einfach eine E-Mail mit Foto und Namen der Eisdiele an info@agentur-zuhoeren.de inklusive Noten von 1 (delizioso) bis zu 6 (terrible) schicken. Das Foto und den Namen der Eisdiele werden wir natürlich nur beim Gewinnereis veröffentlichen (alles andere ist Rufschädigung).

Unter allen Teilnehmern verlosen wir 10 Bücher "Eisklassiker selbst gemacht" oder "Eiskalte Erfrischungen" und eine kleine Überraschung. Also Mittagspause oder Abendstunden nutzen und Spaghetti-Eis testen.

Erfunden hat das Spaghetti-Eis übrigens der Mannheimer Eisfabrikant Dario Fontanella. Wer mehr wissen will, kann es hier nachlesen.

Die Zutaten beim klassischen Spaghetti-Eis: Vanilleis, Schlagsahne (als Kern), Erdbeersoße und weiße Schokoraspeln, manche nehmen auch Kokosflocken. Das alles muss perfekt aufeinander abgestimmt sein - nur dann schmeckt das Spaghetti-Eis auch so wie es soll.


Sonntag, 1. Juli 2012

Es regnet - deswegen Musik

Der Sommer macht Pause - gestern wolkenbruchartige (was für ein Wort) Gewitterstürme, heute Dauerregen. Deswegen ein paar Musik-Impressionen für jede Gemütslage, erstanden bei Bongartz, dem kleinen, feinen Musikladen in der Hauptstraße von Erlangen (gleich neben unserer Agentur). Gehen wir es ruhig an:

Paul Desmond, Take Ten. Er spielte zwischen 1951 und 1967 im Dave Brubeck Quartet und verfasste deren größten Hit "Take Five". Sein Saxophon-Spiel ist leicht, fast zerbrechlich. Seine Stücke sind kleine, wunderbare Miniaturen für ruhige, veträumte Momente. Ganz anders der Singer/Songwriter Dan Mangan. Live konnte man ihn bei Bongartz erleben. Seine CDs sind unterschiedlich, hier das - meiner Meinung nach - schon auf das erste Hören zugängliche "Nice, nice, very nice" aus dem Jahre 2009 (seine zweite "Oh Fortune" ist komplexer und wird von der Kritik als ein "weiterer Schritt nach vorne" bezeichnet). Bei "Nice, nice, very nice" sind seine Singer/Songwriter-Wurzeln noch klar erkennbar, aber seine Instrumentierung weist schon in eine andere, kompaktere, reichere Richtung. Er erzählt Geschichten, bei dene das Zuhören einfach Spaß macht. Man kann seine Gedanken wunderbar verfolgen, seine Phantasie mit auf die Reise nehmen. Ein Vergnügen.
Eher unschuldigblickt Regina Spektor vom Cover ihrer CD "What we saw from the Cheap Seats" - ihre Musik ist es nicht. Hinter den ansatzweise leicht-luftigen Arrangements lauert der Schalk. Die aus Russland stammende US-amerikanische Sängerin, Pianistin und Gitarristin wird zur Alternative- und Anti-Folk-Szene gezählt. Bei ihr ist endlich wieder das Klavier das tragende Element - und ihre Stimme. Ihre Musik überrascht, ist originell und angenehm exentrisch - nicht gewollt anders. Da macht das Hören Spaß, weil es Windungen nimmt. Schwungvoller kommt Parov Stelar mit "The Princess" in unser Gehör. Der "Erfinder" des Catgrooves hat mit der Doppel-CD eine wirklich tanzbare Musik geschrieben - wobei die erste CD abwechslungsreiches und spannender ist. Hier eine Kostprobe - wer so tanzen kann hat alle Trümpfe bei sich :). Auf diese Musik sollte man sich einfach nur einlassen, dann vergisst man das Drumherum - und das ist ja manchmal auch nicht verkehrt.
Ein wirkliches Vergnügen ist auch Guts. Mit seiner CD "Paradise for all" erinnert er mich an Moby. Verspielt, verrückt und transzendent (paradiesisch eben) ... Die Musik des gebürtigen Chilenen und französischen Beat-Fanatic ist genau das Richtige gegen Krisengedanken in allen Lebenslagen. Also einfach mal reinhören und sich mittragen lassen auf die Reise in das Paradies von Guts ... Die Wolken lichten sich, der Regen hat aufgehört, es tröpfelt noch. Mal schauen, was der Nachmittag noch bereit hält, ehe heute Abend Italien gegen Spanien antritt und den neuen EM-König ermittelt.

Samstag, 30. Juni 2012

Verantwortung tragen, sich bekennen, dafür einstehen

Gerade sind es 2.102.254.524.430 € (2102 Milliarden) Schulden in Deutschland - das zeigt zumindest die Schuldenuhr an. Frau Merkel, Herr Schäuble und alle anderen diskutieren, haben Pläne, ziehen sich die Hosen hoch und die Jacken glatt. Im Grunde, so meine Vermutung, stört es sie nicht - solange sie nicht gestört werden und ihre Bezüge bekommen. Wahrscheinlich können sie die Dimension ihres Tuns auch gar nicht begreifen. Ich will nicht den Vergleich zum normalen Unternehmer oder zur normalen Familie bemühen. Diese wären bereits insolvent und im Glücksfall bei einer Schuldnerberatung, der Unternehmer (oder die Unternehmerin) wg. Konkursverschleppung im Knast.

Warum gibt ein Staat mehr aus als er hat? Warum darf er das? Und warum auf Kosten der Steuerzahler? Was ist Haushaltsdisziplin? Und ist es schon ein Erfolg, wenn Herr Schäuble 2015/2016 keine Schulden mehr aufnehmen will? Nein, das ist Augenwischerei - denn die Schulden steigen sekündlich (siehe Schuldenuhr). Und die Rückführung der Schulden ist eine Utopie. Irgendwann kommt es zum Schnitt - denn das scheint bei den Summen unausweichlich. Ein Staat kann sich das leisten - er hat ja mit seinen Einwohnern viele Schultern, die Lasten tragen können. Das ist auch das Problem. Unsere Politiker erleben nur sehr indirekt die Auswirkungen ihres Tuns. Das ist manchmal von Vorteil, um auch unangenehme Entscheidungen durchzusetzen, aber in der Regel macht es blind. Denn der Einzelne (der Verantwortliche) trägt keine Verantwortung mehr bzw. kann nicht zur Verantwortung gezogen werden - zu viele Bedürfnisse, zu viele Bedingungen, zu viele Fluchtmöglichkeiten. 

Man stelle sich nur mal vor (siehe Griechenland), die Beamten und Staatsbediensteten wären Angestellte in einem Unternehmen. Das Unternehmen würde schlecht haushalten, zu spät auf Marktanforderungen reagieren oder einfach nur miserabel geführt werden. Dann kämen schnell die Banken und Gläubiger und würden den Hahn zudrehen - aus, vorbei. Gehälter gäbe es keine mehr (außer vom Arbeitsamt und später vom Sozialamt), die Angestellten müssten Umschulungsmaßnahmen absolvieren oder stünden auf der Straße (wie die Mitarbeiterinnen von Schlecker). Und der Minister? Tritt zurück, wird abgewählt, taucht ab und lebt fröhlich weiter. Also was machen? Nicht mehr ausgeben als man hat (und nicht eventuell einnimmt). Natürlich muss man ab und an auch in Vorleistung gehen, aber nicht andauernd. Wir Steuerzahler (Privatpersonen, Institutionen, Unternehmen) geben dem Staat und seinen Akteuren Geld zu treuen Händen, für Aufgaben, die er erledigen soll und muss. Aufgaben, die der Einzelne nicht leisten kann und die gemeinschaftlich sind. Der Staat ist Verwalter dieses Vermögens. Jedes Jahr bekommt er viel Geld. Hier eine Liste aus Wikipedia:

Jahr  Mio Euro
1950 10.783
1952 16.992
1962 44.166
1972 100.726
1982 193.627
1987 239.622
1992 374.128
1997 407.577
2002 441.705
2003 442.238
2004 442.838
2005 452.079
2006 488.444
2007 538.243
2008 561.182
2009 524.001
2010 529.296
2011 554.965

Ein hübsches Sümmchen, insofern ist Deutschland reich. Allerdings, das sieht man auch recht deutlich, reicht das nie aus, um die Schulden zu begleichen. Und der Ausweg aus diesem Dilemma? Antworten gibt es nicht wirklich (das Ausmaß ist unvorstellbar und angesichts der Höhe der Schulden haben die Politiker allesamt bereits aufgegeben, zeigen es nur noch nicht). In diesem Kontext ist es gut, dass die Eurokrise unsere eigene Krise zur Zeit (noch) überdeckt. Ähnlich wie bei der Fußball-EM. Solange die anderen weniger Tore schießen oder schlechter spielen, werden eklatante Schwächen gerne übersehen - bis eine Mannschaft wie Italien kommt und die Schwächen gnadenlos aufdeckt. Noch sind wir die Starken im Verbund der Schwächeren (wenn das überhaupt stimmt und nicht nur eine einseitige Sichtweise ist) - frei nach dem Motto: Unter den Blinden ist der Einäugige der König.

Ich wünschte mir: inne halten, ein Blick zurück, sorgsames Abwägen, mehr Achtsamkeit und Achtung, bewusstes Auseinandersetzen, Miteinander und Annehmen der Verantwortung in allem was wir tun. Das betrifft uns alle - jeden Einzelnen. Und trifft auf alle Dinge und Handlungen zu - im Alltag, selbst im Banalen gilt es Achtung zu üben. Denn erst wenn wir auch das Kleine schätzen, können wir das Große genießen. Aber Achtung: keiner ist frei von Fehlern. Das Eingeständnis der Fehler und das Zugeben allerdings macht uns reif und menschlich. Doch machen wir uns nichts vor: mit diesen Eigenschaften können wir der Krise zwar begegnen (vielleicht wären wir nie dahin gekommen), aber lösen werden wir sie nicht - da hilft wahrscheinlich nur der Schnitt und Neuanfang. Alles auf Start. Viel Spaß.

Montag, 28. Mai 2012

Zuhören von Pilot

Beweg Dich - bist Du fixiert, bist Du introvertiert, gefällt Dir nichts wie es ist, bist Du in Dir total isoliert erfährst Du nie wer Du bist, sag, weißt Du nicht, was Du willst? Dann beweg Dich, denn bewegst Du nichts ... Die CD von Pilot mit dem Titel wie unsere Agentur ist abwechslungsreich, deutsche Poesie, romantisch, rockig, mit Tiefgang, manchmal kitschig und eingängig - egal, sie macht Spaß, spielt mit den Worten, hintergründig, doppelsinnig. Es ist gut, wenn sich Bands trauen ihren Gedanken Ausdruck zu geben - mit Stimme und Text, einer Sprache, die man ohne Barriere versteht, glasklar versteht, direkt und ohne Umschweife. "Ich glaube an die Seele, glaub daran, dass Sie in allem wohnt. Dabei spreche ich nicht von Gott, keinem Gesetz und keiner Religion. Ich meine ein Gefühl, dass jede Sache hat, jedes Wort und jeder Augenblick und jede einzelne Hand. Wir müssen nur zuhören ..." - auch einfache Weisheiten dürfen poetisch klingen. Unter www.facebook.com/pilotmusik mehr über Pilot.

Montag, 7. Mai 2012

Ist Technik unser Freund?

Nehmen wir ein Auto. Vollgestopft mit Elektronik - von den Fensterhebern über die Lenkhilfe bis zum Abstandswarner, vom Navigationssystem bis zum Regensensor. Nichts muss man mehr selber machen - ok, man muss sich noch entscheiden, Auto zu fahren, aber ansonsten. Auf Knopfdruck wird der Sitz auf die persönliche Sitzstellung eingestellt, das Auto auf Wohlfühltemperatur vorgewärmt oder abgekühlt, das Licht im Innenraum leicht gedimmt falls man mal in der Morgendämmerung einsteigt. So fühlt man sich gleich heimisch, fehlt nur noch der frische Kaffee, aus der Pad-Maschine, die auch der liebe Gott so gerne hat. Was aber ist, wenn ein Kabel mal locker, ein Druckschlauch porös, die Elektronik in Teilen oder ganz versagt? Dann stehen wir machtlos da, schauen in den Motor und freuen uns, dass es so kompakt und aufgeräumt aussieht.

Spricht man mit der älteren Generation gleich aus welcher Branche, kommt immer wieder die Sprache darauf, dass man früher noch etwas reparieren konnte, wusste, was man tun musste, wenn etwa bei einer logistischen Anlage eine Weiche nicht so funktionierte. Man justierte eine Schraube, zog etwas an, tauschte notfalls ein Detail aus. Man konnte den Fehler sichtbar lokalisieren. Und heute: da wird der Fehler aus dem Speicher des Fahrzeugs oder der Anlage bequem ausgelesen. Danach folgt das Match und Meet-Prinzip - man probiert einfach mal alle vorgeschlagenen Lösungen durch. Hat der Verbraucher Glück, ist gleich beim ersten Versuch alles behoben, hat er Pech dauert es etwas länger. Zum Glück - denn das sichert Arbeitsplätze und ist Garant für die Binnenkonjunktur. Wer also glaubt, Technik sei nicht unser Freund (weil sie uns entmündigt und abhängig macht) irrt. Wir brauchen sie, damit unser Wirtschaft wächst - im Gegensatz zu den Menschen. Diese verlieren sich in lauter Technik. Na dann - bis zum nächste Post oder Podcast.

Sonntag, 22. April 2012

Ostern ist vorbei - warum aber verteilt der Osterhase Eier?

Das war die Frage unseres kleinen Osterrätsels für unsere Kunden. Mitgemacht haben einige - mit der Aussicht einen Kasten Osterfestbier von Hasenbräu zu gewinnen. Inzwischen ist die Gewinnerin gezogen (wir gratulieren und wünschen viel Spaß mit dem süffigen Gold).

Nachfolgend ein paar Antworten, die wir überraschend, interessant oder einfach nur witzig fanden. Vielen Dank allen, die mitgemacht haben.

"Weil er in seiner Evolutionsgeschichte mal versehentlich zwei Monate in einer Eierlegebatterie in Oldenburg eingesperrt war. Dort wurde er in der Hackordnung ganz unten eingruppiert und gezwungen, dioxinfreie Eier zu Ostern zu legen. Diese Schock hat er bis heute nicht überwunden und legt angstgetrieben munter weiter Ostereier."
"Deine Feier geht mir auf die ... , aber der Kasten Bier gehört mir"
"Warum bringt der Osterhase an Ostern Eier? Ganz einfach: Da man einen Hasen noch nie in den Bäumen gesehen hat, liegt die Vermutung nahe, dass dieser vornehmlich am Boden brütet (Ausnahme bildet natürlich der senegalesische Baumhase, aber deswegen werden im Senegal auch keine Ostereier gesammelt). Da jetzt aber die Hasenpopulation im Frühling und über Ostern rapide ansteigt, wurde es Brauch in dieser Zeit nach den Hasennestern zu suchen (die aber nie gefunden wurden). Um die jährliche Haseneierjagd spannender zu gestalten, wurde neben dem gemeinen Hasen der weltbekannte Osterhase eingeführt (der seinem langohrigen Vetter gleich am Boden brütet). Der Osterhase hat gegenüber den anderen Hasen zwei Vorteile: die Eier sind aus Schokolade UND man findet sie! Und meistens findet ma sie um Ostern herum, da auch der Osterhase im Frühling Eier legt, um sich zu vermehren." 
"Ohne Eier keine Feier!" 
"In grauer Vorzeit waren Haseneier eine Delikatesse. Insbesondere zur Osterzeit, so ein alter Irrglaube, sollten die Eier die Potenz des Mannes fördern und die Schönheit der Frauen steigern. Kein Wunder also, dass Haseneier von den unterschiedlichsten Interessensgruppen frisch aus den Nestern geklaut wurden. Es wurde ein gesellschaftliches Ereignis. Kinder, Greise und Singles, Familien, Ehepaare und Touristen kamen zur Osterzeit zusammen und begaben sich gemeinsam auf die Suche. Neben diesen Amateuren gab es aber auch professionelle Sammler, die die Eier horteten und meistbietend verkauften. Diese "Professionellen" waren übrigens auch die ersten, die die Eier anmalten - frische Eier waren sonnengelb, etwas ältere dunkelgrün. Langsam erkannten besorgte Bürger, dass Produktion und Bedarf von den Hasen nicht mehr gedeckt werden kann. So versuchte man mit Petitionen für Obergrenzen, sogenannte Haseneier-Sammelquoten, durchzusetzen. Das scheiterte aber an der Lobbyarbeit der professionellen Sammler. Nichts und niemand konnte sie aufhalten - bis die Hasen fast komplett ausgerottet waren. 
Das rief nun endlich nicht nur besorgte Bürger, meist Tierschützer, auf den Plan (mit ihren bunten und fantasievollen Protesten auf Feldern, Wiesen und in den Wäldern waren sie eher ein Unterhaltungsprogramm für die Sammler), es wurden ein "Pro Hase e.V." und eine Partei "Die Hasen" gegründet. Mit einer Medienkampagne wies man auf die Bedeutung von Hasen für die Entwicklung der Menschheit, und zeigte, wie sich die Sammler am Klauen der Eier ergötzten, wilde Tänze feierten und manchmal regelrecht über die Stränge schlugen (über YouTube, Twitter, Google+ und Facebook fanden die Bilder und Filme rasend schnell Verbreitung). Das Entscheidende aber war, dass das Stefan Herd-Institut endlich bewies, dass das Verspeisen von Haseneiern keine Wirkung auf die Potenz oder Schönheit hatte. Das war das Aus der vielen Sammelaktion zur Osterzeit und des professionellen Sammelgewerbes (für diese wurde eine Auffanggesellschaft gegründet). Allerdings merkten die Menschen schnell, dass es sehr schön war, zu Ostern zusammen zu kommen und gemeinsam etwas zu unternehmen. So kamen findige Geschäftsleute auf die Idee, Haseneier durch Schokoladeneier zu ersetzen und den Brauch damit fortleben zu lassen."

"Weil es noch keinen App zum downloaden von Ostereiern gibt!"
Welche Antwort gewonnen hat, verraten wir nicht - die Wahl fiel schwer, die Gewinnerin wurde inzwischen benachrichtigt und der Kasten Osterfestbier wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit in Kürze übergeben.

P.S. Kennen Sie schon die Initiative für warme Eier unseres Kunden bbkPersonal. Hier erfahren Sie mehr. 

Montag, 9. April 2012

Beschwingt, unterhaltend, belanglos? Das "Lamm" im Wolfspelz

Ein typischer Woody Allen-Film: Ich sehe den Mann deiner Träume. Der Zuschauer wird in einem Krisenmoment in die Geschichte hineingezogen, verfolgt die unterschiedlichsten Menschen auf ihren Wegen durch das Leben, begleitet die Irrungen und Wirrungen. Alles leicht, locker, beschwingt, untermalt von jazzigen Tönen, Bilder, wie zufällig hingeworfen, wunderbar inszeniert in London.

Alfie, gespielt von Anthony Hopkins, versucht noch einmal jung zu sein, kämpft mit Ausdauer- und Muskelaufbautraining gegen sein Alter, verlässt seine gleichalte Frau, zieht in eine schicke Junggesellenwohnung, kauft sich ein Cabrio und versucht sich als Hengst mit Hilfe von Viagra. Seine Frau, Helena, zugegeben nervig und leicht verschroben, gibt sich dem Esoterischen hin und geht einer Wahrsagerin auf den Leim, um schließlich einen neuen Partner zu finden, der seine verstorbene Frau im Jenseits sucht. Die Tochter von Alfie und Helena, Sally, lebt mit Roy, einem Mediziner, der allerdings lieber erfolgloser Schriftsteller ist, in einer etwas angespannten Ehe - sie hat ganz andere Träume als er (Familie, Glück und Einkommen), er ist auf der Suche nach seinem zweiten Erfolgsroman. Und dann ist da noch ein Galerist (Antonio Banderas) in unglücklicher Ehe, eine exotisch-erotische Nachbarin (Dia), die bald heiraten soll, eine Pokerrunde (die Freunde von Roy), und natürlich die charmant-clevere Charmaine, die Alfie um den Finger wickelt mit ihren üppig-prallen Reizen und ihm schließlich ein Kind, vielleicht den ersehnten Sohn, möglicherweise von ihm, schenkt.

Von Anfang an ist klar - das kann nur böse enden. Interessant bei alledem: Helena, Sally, Roy und schließlich auch Charmaine hängen alle am Tropf vom Alfie, der sich - wie sollte es anders sein - nicht nur in seine eigenen Truggebilde verstrickt, sondern sich auch mehr und mehr verschuldet. Nach Eheauflösungen, falschen Erwartungen und Neuverbindungen bzw. -anfängen ist eines klar: geändert hat sich nichts, alle sind sich treu geblieben. Das ist erschreckend, denn der Aufwand der Trennungen war hoch, die Hoffnungen groß (ewige Jugend, spirituelles Glück, befriedigende Unabhängigkeit, beruflicher Erfolg, ewige Liebe). Und Roy, Dia verführerisch und egoistisch aus einem Eheversprechen gelockt, spielt ein ganz perfides Spiel - er leiht sich den Erfolg von einem Freund und Schriftstellerkollegen, den er für tot hält, der aber nach einem schweren Unfall "nur" im Koma liegt. Wenn er aufwacht, ist sein Bestseller Makulatur, denn Roy hat das Manuskript von ihm geklaut und veröffentlicht - hier endet die Geschichte und der Zuschauer bleibt zurück, auf seinem Sofa, mitten im Leben. Nichts ist gelöst, alles ist offen. Das hat eine gewisse Brutalität, denn die Geschichten laufen weiter, im Kopf - und da beginnen ja nach André Heller erst die wahren Abenteuer. "Und sind sie nicht im Kopf, dann sind sie nirgendwo." Auf alle Fälle nicht im Jenseits - auch das macht Woody Allen klar.