Hören & Zuhören

Der Blog von zuhoeren dreht sich um alles, was mit Hören zu tun hat. Musik, Geräusche, Meinungen, Töne, Positionen ... Nur selten um Werbung und Marketing. Die andere Seite von zuhoeren und ganz im Sinne von Immanuel Kant:

„Nichtsehen trennt den Menschen von den Dingen,
Nichthören trennt den Menschen vom Menschen.“



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Sonntag, 11. Januar 2015

Google und gute Werbung

Jeder kennt inzwischen SEO - Search Engine Optimization. Ohne SEO (und SEA) kann heute eine Website nicht mehr bestehen. Die Seite muss für Google
  • schnell erreichbar sein
  • kein Flash enthalten
  • viele Backlinks aufweisen
  • mit Bilder und Bildtags ausgestattet sein
  • die richtigen Keywords für die Suche enthalten
  • das Keyword in der URL und in der Headline präsentieren
  • mit Texten von mindestens 250, besser 300 Wörtern geschrieben sein
  • etc.
Man kann die To-Do-Listen einfach im Internet nachlesen. Es kommt also primär nicht auf den Inhalt, vielmehr auf die Form an, denn kann Google die Sinnhaftigkeit der Texte in Bezug auf das Keyword (noch) nicht erfassen. 

Google sagt, was zu tun ist!


So kann heute eine Google-Checkliste die Kreativität eines Texters leicht ersetzen. Er muss die Bedingungen einfach erfüllen, um bei Google hoch gerankt zu werden. Wobei es auch kreativ sein kann, die Keywords bzw. die möglichen Suchbegriffe im Text der Seite unterzubringen. Das ist viel Arbeit, viel Nachdenken, viel Recherche. Aber hat mit den Textaussagen, der Dramaturgie eines Textes wenig zu tun. Doch das spielt - wie gesagt - keine Rolle. Denn zu allererst müssen ja die Kunden (oder Interessenten) auf die Seite stoßen, um den Text überhaupt zu lesen. Und das leistet Google. Wer also ganz oben stehen will, muss seine Seite von der Struktur, den Inhalten und der Technik Google unterwerfen. Google ist das Monopol. Und es ist nicht so, dass damit die Macht dem Verbraucher zurückgegeben wird - denn die Ergebnisse sind ja nicht inhaltlich, sondern primär funktional begründet. Ein gutes Produkt, welches sich nicht an die SEO-Richtlinien hält, wird nicht gefunden bzw. auf die hinteren Seiten (Plätze) und damit aus dem Fokus der Verbraucher verbannt. Wer SEO also nicht versteht, muss entweder radikal andere Wege gehen, um auf sein Produkt oder seine Dienstleistung aufmerksam zu machen, oder damit leben, dass er den großen Markt nicht erreichen kann/will.

Google und Aldi


Mich erinnert Google an Aldi. Mit Aldi wurden Lebensmittel immer preiswerter. Es war eine Revolution. Was am Anfang Teilhabe von allen an einer Vielzahl Lebensmitteln bedeutete, hat allerdings auch den Werteverlust von Lebensmitteln eingeläutet. Aldi und andere Discounter sind das Synonym für das "Diktat des Preises". Lebensmittel haben in Deutschland heute keinen Wert mehr (auch wenn ein Umdenken langsam stattfindet). Man kauft nicht mehr nach Bedarf an, sondern häuft an und wirft weg. Es ist so billig. Und der niedrige Preis hat natürlich auch Konsequenzen für Produktion und Produzent. Ein Liter Milch für 69 Cent - wie sollen da noch die Kühe artgerecht gehalten und gefüttert werden? Ein T-Shirt für 5 Euro - wer außer vielleicht dem Händler soll damit noch seinen Lebensunterhalt in einem nachhaltigen Wirtschaftskreislauf verdienen? Wir müssen uns also nicht wundern, wenn unsere Natur ausgebeutet wird, Gentechnik ihren Einzug hält und unser Essen mit Antibiotika und anderen Giften ange"reichert" ist.

Die Macht der Algorithmen


Und Google. Auch hier war Teilhabe an der Information das große Versprechen. Heute allerdings geht es eher darum, wie man mit cleveren Strategien sein Produkt oder seine Dienstleistung in den Vordergund schieben kann. Unabhängig von der eigentlichen Qualität von Produkt oder Dienstleistung. Das führt zu einer Flut von neuen Seiten, cleveren Automatisierungen und einem "Diktat der Algorithmen". Google bestimmt, was wir finden, denken und wählen. Im Grunde schränkt Google unsere Freiheit ein. Google ist nicht unser Freund, Google ist ein Konzern, ein profitorientiertes Wirtschaftsunternehmen. Hier geht es nicht um neutrale Auswahl, hier geht es um Beeinflussung - nach einer mathematischen Formel.

Algorithmen bestimmen über unseren Alltag und über die Welt, in der wir leben.
Die Sprache, die in einer Gesellschaft die grundsätzlichen Entscheidungen fällt, ist die Sprache der Gesetze. Und hier liegt auch gleich der Grund, warum es so wichtig ist, sich mit der neuen Weltsprache auseinanderzusetzen. Sowohl Gesetze wie Algorithmen werden von Menschen geschrieben. Der Unterschied liegt darin, dass die Gesetze der kollektive Ausdruck einer Gesellschaft sind. Soziale Veränderungen und vor allem Werte formen Gesetze. Algorithmen aber werden von Ingenieuren geschrieben. Die sind keine Vertreter der Gesellschaft, sondern handeln im Dienst eines Instituts, einer Firma, eines Geheimdienstes oder auch nur für sich selbst. Wenn aber Algorithmen in der Welt der Maschinen die Sprache der Entscheidungen bilden, tut eine Gesellschaft gut daran, sich mit ihr zu beschäftigten. ("Die neue Weltsprache", aus der SZ vom 18. Juli 2014)

Und jetzt?

Der gute Texter (Werber) wird versuchen SEO und gute Dramaturgie zu verbinden, clevere und überraschende Werbung unter Berücksichtigung von Google zu machen. Er arrangiert sich also. Die Gesellschaft allerdings sollte nachdenken - auch der Verbraucher. Will er sich dem Diktat von Google unterwerfen? Oder will er seine Macht der Entscheidung zurückhaben? Brauchen wir eine neutrale Suchmaschine? Die Diskussion hat angefangen:

Längst gibt es Forschungen, die humanistische Werte in den Algorithmen verankern. Am Imperial College in London arbeiten Informatiker und Philosophen beispielsweise gemeinsam an "Fair Play Algorithms". Das junge Feld der Roboter-Ethik sucht Wege, Menschenrechte in Code zu übersetzen. ("Die neue Weltsprache", aus der SZ vom 18. Juli 2014).

Mittwoch, 20. August 2014

Wozu brauchen wir Menschen?

IBM baut Supercomputer intelligenter als jeder Mensch, ein Amerikaner fertigt lebensechte Silikonpuppen nach Wunsch, Eric Schmidt von Google träumt vom Cyborg als neue Rasse, die den Menschen ablösen soll. Es gibt bereits schreibende Computer, die verschiedene Stile nachahmen und Journalisten in Online-Redaktion ersetzen - vorerst bei Sachthemen. Oder Maschinen, die Ärzten helfen Diagnosen zu stellen - vorerst als Unterstützer.

Noch sind wir Menschen es, die den Rhythmus bestimmen - wir schreiben die Programme, bauen die Einzelteile zusammen und sorgen für Strom. Das gibt uns Sicherheit und den Glauben alles im Griff zu haben. Doch wir begeben uns freiwillig in die Hände der Maschinen - das Internet und unser Drang online mehr Zeit zu verbringen als offline macht es möglich. Sie beobachten uns, analysieren, registrieren, verfolgen unsere Spuren, entdecken unsere Muster. Der selbstlernende Computer nimmt alles auf und wird mit jedem Tag besser als wir. Als Arzt ist er analytisch, bezieht alle Quellen und Ergebnisse in seine Diagnose mit ein. Er verlässt sich nicht auf Intention - diese ist maximal Teil des Programmcodes, damit wir uns Menschen besser an die neue Menschengeneration gewöhnen.

Transhumanismus ist das Stichwort. Ein Versprechen für eine bessere Welt. Das "Gen ethische Netzwerk" (Gen) schreibt:
Der Mensch soll mithilfe informationsverarbeitender Technologien die Evolution zu ihrer Erfüllung führen und das Universum mit perfekter künstlicher Intelligenz durchdringen. Krankheit, Sterblichkeit und Tod gehören in dieser Zukunftsvorstellung der Vergangenheit an, künstliche Intelligenz hat die menschliche überflügelt, ersetzt und abgeschafft, alle Probleme sind gelöst. Die Menschheit verschmilzt mit Computern zu einer neuen, unsterblichen Spezies. Menschliche Bewusstseine beziehungsweise Gehirne sollen digital gescannt und als „Bewusstseinsdatei“ auf Festplatten gespeichert werden, um auf diese Weise Unsterblichkeit zu erreichen. "arte" hat das in seinr Serie "Human Beings" vorgezeichnet. 
Protagonist des Transhumanismus ist Raymond Kurzweil, Director of Engineering bei Google. Er erforscht künstliche Intelligenz und progrnostiziert, dass in 15 Jahren Computer alles können, was Menschen vermögen, eben nur besser. Google und andere stecken viel Geld in die Erforschung - und machen den Gedanken wie so oft unter dem Deckmantel der Wissenschaft populär:
Die Singularity University - so etwas wie das ideologische Hauptquartier der heterogenen Bewegung - liegt im Silicon Valley direkt zwischen Google und der Nasa. Das spiegelt in etwa wieder, wo die Bewegung gesellschaftlich steht. Die Transhumanisten reiten auf der Welle des unerschütterten Glaubens an Fortschritt und Technologie. Geschickt bringen sie ihre Forschungsprojekte auf die Agenda von Universitäten und Konzernen, längst forscht man weltweit im Auftrag der Transhumanisten. (www.sein.de)
Aber welche Rolle spielt danach noch der normale Mensch? Braucht es ihn oder wird er degradiert, weil zu langsam, zu emotional und zu sterblich? Es ist der Zynismus unserer Zeit: wir wollen alles besser machen, greifen ein, spielen Gott - und erleiden Schiffbruch. Im schlimmsten Fall schaffen wir uns selber ab.

Sonntag, 10. Februar 2013

Da war noch was ...

DIE ZEIT ist eine wunderbare Wochenzeitung: die Qualität des Journalismus, der Aufwand, der für einzelne Artikel betrieben wird, die Vielfalt der Themen, die aufbereiteten Daten, Fakten, Hintergründe. Man kann den Menschen, die hinter der Zeitung DIE ZEIT stehen, nur danken. Denjenigen, die sich um die Finanzierung kümmern, denjenigen, die schreiben, Termine vereinbaren, drucken, gestalten, für gute Stimmung sorgen ... Ein Dinosaurier in unserer Zeiten? Bald nur noch eine schöne Erinnerung? Wie Spiegel, SZ, Handelsblatt und andere? Denn es gilt auch hier: Mit den neuen Medien, der Digitalisierung der Inhalte, schaffen sie sich selber ab. Das Dilemma von Verfügbarkeit und Multiplizierung.

Beispiel Film: Brauchen wir in Zukunft noch Schauspieler? Oder reicht nicht die Vorlage, die Vorstellung. Danach zählen nur noch Rechnerkraft und Heere von Zeichnern (oder Computern, die zeichnen können). Und Gegenstände? Drucken wir in naher Zukunft selbst mit dem 3D-Drucker, verändern, modifizieren. Wenn uns eine Tasse gefällt, drucken wir sie einfach nach und stellen sie in unser Regal. Die Wirklichkeit verschwimmt, was ist originär, was ist Vorstellung? Natürlich geht das nur solange gut, solange es Menschen gibt, die etwas zur Verfügung stellen: eine Idee, eine Wirklichkeit, ein Gegenstand. Diese können wir nehmen, 1:1 oder modifiziert für uns transformieren. Jeder hat seine Wirklichkeit, die er sich selbst erschaffen kann, Allgemeingültigkeit gibt es nicht mehr - und damit auch keinen gemeinsamen Nenner, sondern nur noch Vielfalt. Lebensgemeinschaften, wie wir sie kennen, werden überflüssig - wir leben in vielen Gemeinschaften und bleiben dabei allein, schicken unsere Avatare zum Abendevent, in die Arbeit, zum Sport .... in das Außen, in eine der vielen Welten.

Diese Aufsplitterung, die Fragmentierung, kennen wir schon und erleben sie in der Vielfalt der Kommunikationswege. Es gibt nicht mehr nur einen Kanal - und alle müssen nicht nur bedient werden, sondern in allen, so glauben wir, müssen wir uns aufhalten, um an allen Gruppen teilzunehmen, am Geschehen teilhaben zu können. Wo ist der gemeinsame Nenner? Der Kindergarten, die Schule, der Verein? Und danach? Der Arbeitgeber? Aber was passiert, wenn diese Institutionen wegfallen, weil die Menschen nicht mehr gemeinsam in einem Raum, sondern zu Hause am PC arbeiten, sich virtuell vernetzen, in Foren und Usergruppen, als Original oder Kopie. Multitasking, vielleicht Multileveling, in Reinkultur. Jeder arbeitet für jeden und alles, die Unterschiede verschwimmen, allen gehört alles. Das birgt viele Chancen. Die, der klassenlosen Gesellschaft, der Teilhabe von allen an allem etwa, der kontinuierlichen Entwicklung zum Wohle aller - wenn die Zugänge stimmen, also jeder die Voraussetzungen hat ... Es birgt aber auch viele Risiken: die der Bedeutungslosigkeit, alles wird austauschbar, nivelliert sich im Ansatz. Wer sagt was? Wo ist der Ursprung? Warum sollten man noch in eine Idee, einen Film etwa, 200 Millionen Euro investieren? Muss man das überhaupt noch, gibt es überhaupt noch eine Währung, oder ist der Zusammenschluss vieler für eine Idee, das gemeinsame Arbeiten und Realisieren die Währung der Zukunft? Man arbeitet nicht mehr fremdbestimmt für den Profit, sondern für eine Idee, für Lebensbedingungen, die uns allen gut tun, jeder wie er kann und will. Utopia lässt grüßen - und hoffen. Denn es steckt viel Potential in diesen Bewegungen.

Wer soweit denkt und dieses am Ende will, für den ist natürlich das Urheberrecht nichts, wie für Google (allerdings aus einem anderen Antrieb). "Man braucht kein Urheberrecht. ... Es existiere ja auch kein Urheberrecht für Witze oder Kochrezepte. ... Außerdem gebe es eine Studie, wonach ohnehin kaum ein Künstler von seiner Kunst leben könne. Trotzdem werde weiterhin Kunst produziert. Warum muss man Künstler also schützen? Warum ist es schlimm, ihre Produkte zu kopieren?" Das sagt, so DIE ZEIT in ihrer Ausgabe vom 7. Februar diesen Jahres, die Politikwissenschaftlerin Jeanette Hofmann. Sie ist Mitglied der Enquette-Kommission des Deutschen Bundestages "Internet und digitale Gesellschaft" und besetzt einen der vier Direktorenposten des neu gegründeten Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft. Dieses wird mit 4,5 Millionen Euro für die ersten drei Jahre von Google finanziert. Schöne neue Welt - aber hier wird die Digitalisierung auch Google irgendwann zum Verhängnis werden. Noch versucht der Konzern sein Geschäftsmodell zu schützen, Nachahmer aufzukaufen, zu erdrücken, mit aller Macht auszuschalten. Dank des kapitalen Wertes des Unternehmens. Aber wenn wir uns alle zusammenschließen und vernetzt sind, brauchen wir Google nicht mehr, denn dann werden Fragen über eine virtuelle Suchmaschine, die alle Gedanken, Ideen und Ergebnisse aller dauernd und kontinuierlich einbindet, Google ersetzen. Dann sind wir die große Suchmaschine, geben in die Quelle unser Wissen und schöpfen daraus.

Google 4.0 gehört uns allen, wie uns allen eigentlich alles gehört - der Boden auf dem wir leben, die Vorräte, von denen wir uns nähren, die Sonne, die uns wärmt ... Die Erde ist unsere Quelle. Nehmen wir dies ernst und sind wir auf ein Gleichgewicht aus, müssten wir uns an dem Prinzip "Wir leben von einer Quelle und geben in eine Quelle" ausrichten. Der Gedanke ist nicht neu, wird in vielen Religionen, Glaubensgemeinschaften und Gesellschaften postuliert, aber nicht gelebt. Dabei bietet die digitale Entwicklung beste Chancen eine Gesellschaft zu formen, in der alle leben können, gleich welcher Herkunft, die nicht auf Profit aus ist, deren Vermögen der "Geist" ist, welchen die Menschen füreinander und für dauerhaft positive und nachhaltig gute Lebensbedingungen einsetzen. Wir sind auf dem Weg.